Über die Matrix


"Befreie deinen Geist!" sagte Morpheus zu Neo im Film "The Matrix". Dies ist die eigentliche Kernaussage des Films. Morpheus steht für "das Wissende", Neo für das aus dem Griechischen entliehene "Neue". Morpheus bezog seine Informationen von einer Quelle, die der Matrix und der "realen Welt" (inklusive Zion) übergeordnet ist. Das Orakel (von Delphi), welches uns aus der griechischen Mythologie bekannt ist, steht für eine Informationsquelle, ein Medium, welches Zugang zu übergeordneten Seinsebenen hat. Morpheus wusste, dass unser Geist in der Welt der Matrix in einem künstlichen, in seinen tatsächlichen Möglichkeiten begrenzt gehaltenen Zustand gefangen ist. Neo erhielt einen Einblick in dieses Wissen. Nur durch mühevolles Dekonditionieren konnte er sich von den Glaubensbegrenzungen der pseudo-realen Welt, der Matrix, befreien. Durch die Befreiung seines Geistes von seinen Glaubensbildern konnte er schließlich sein eigentliches Glaubenspotential erfahren und zur Anwendung bringen. Mit dieser befreiten Geisteshaltung sind keinerlei Begrenzungen mehr auferlegt. Lediglich der befreite Geist erschafft nun eine Realität, die dem inneren Bild entspricht. Innerhalb dieser Energieform bestehen auch keinerlei Einflussmöglichkeiten der Manipulation mehr.

Ich interpretiere das so: Die Matrix steht für alle Einflüsse, die uns, die Menschen, täglich in unserem freien Denken einschränken. Das können "durchschaubare" Institutionen sein, wie zum Beispiel Medien, Werbung, mächtige Schwätzer wie Politiker oder andere Prominente und Idole oder Religion. Aber auch Erziehung, kulturelles Umfeld (das, was man auch als "Mentalität" bezeichnen kann), Erfahrungen (positive und negative), also subtilere und oft niemals erkannte Einflüsse lassen uns in bestimmte Richtungen denken oder Entscheidungen treffen, die wir ohne sie, also mit einem "freien Willen", ganz anders getroffen hätten.

"Im Geiste frei zu werden", ist die Botschaft, denn alles, was wir denken, ist konditioniert. Denken ist niemals "die Sache als solche". Nur direktes Wahrnehmen, "das, was ist", lässt uns die Wirklichkeit erfahren. Auf der anderen Seite erschafft das Denken die Wirklichkeit (im Rahmen seiner Interpretation). Wir reflektieren ständig die auf uns einwirkenden Signale (zum Beispiel ruft ein gesichteter Busen bei Männern den Programmkanal "Erotik" auf und führt zu entsprechenden inneren Bildern). "Befreien des Geistes" bedeutet, sich klar zu machen – also zu wissen und nicht zu glauben –, dass der Geist ALLES kann! Dass man sich daher über Konditionierungen und Begrenzungen hinwegsetzen muss...!

Zu den Kampfszenen im Film: Kampf ist kein erfolgreiches Mittel, um Probleme elementar zu lösen. Das, was uns in den Filmen der Matrix-Trilogie in einer sehr überzogenen Weise gezeigt wurde, waren Kampfszenen zwischen den freien und ausgekoppelten Menschen und den Programmen, die sich unter anderem in Form von Agenten darstellten. Meiner Meinung nach ist das nur als Bild zu verstehen: Die spektakulären Kampfszenen illustrieren die inneren Auseinandersetzungen der Menschen mit ihren eigenen festgefahrenen Gedankenmustern und den äußeren Programmen, die sie wie ferngelenkt fremdbestimmen. Wenn wir nicht einen Kampf mit unseren inneren Glaubensbegrenzungen führen, sondern eine Überwindung unserer inneren Glaubensbegrenzungen einleiten, dann nähern wir uns dem tatsächlichen Bezug zu unserer "realen Welt".

Zunächst braucht man einen Anreiz, überhaupt darüber nachzudenken, dass etwas am eigenen Leben nicht stimmt. Das können Mitmenschen sein, mit denen man darüber redet, das kann man selbst sein, weil einem auffällt, dass man mehr existiert als lebt, das können aber auch Erkenntnisse aus philosophischen oder religiösen (ich denke da als erstes an Buddhismus) Studien sein, die man betreibt. Es kommt also "Wissen" (Morpheus) zu einem. Man selbst ist also dabei, sich zu "erneuern", man ist also in der Rolle von Neo. Die erste Aufgabe (wenn man es denn als solche verstehen möchte) ist, zu erkennen, dass und inwiefern man in seinem Denken und dadurch letztlich in seinem Leben fremdbestimmt ist. Um weiter in Bildern aus dem Film zu sprechen: Man muss sich für die blaue oder die rote Pille entscheiden. Man kann natürlich sein Leben weiter leben, wenn es einem gefällt, allerdings bin ich mir fast sicher, dass das Leben nach erfolgreichem Ausstieg aus der "Matrix" noch viel erfüllter ist. Dann denkt man einfach nicht näher darüber nach. Wählt man den Weg der Erkenntnis, kann es zunächst sehr unangenehm werden. Man wird aus Gewohnheiten geworfen, es liegen Steine im Weg: Unverständnis der Mitmenschen, geistige Überforderung, Zweifel an der Richtigkeit der Sache, ökonomische Gründe (kein Geld, keine Zeit, keine Mittel). Und dann kämpft man diese scheinbar aussichtslosen Kämpfe gegen die "Programme", von denen man sich gerade lossagen möchte. Es ist noch relativ einfach "Werbungsimmunität" zu erlangen, die Medien kritisch zu bewerten oder Laberköpfe zu durchschauen. Schwieriger ist es, festgefahrene Denkmuster und Handlungsweisen, die man erziehungs- oder gewohnheitsbedingt hat, zu erkennen und zu behandeln. Aber was kommt danach? Was, wenn man erfolgreich seine Programme zerstört hat? Ich behaupte, erst dann kann man sein ganzes Potential freisetzen. Wenn man erkennt, was und wer man ist, wie man sich identifiziert und in die Welt einordnet, was man will und was einem wahre Freude bereitet, wenn man wahre Liebe empfangen und geben kann. Das klingt sehr abstrakt. Natürlich kann man auch ohne diese Erkenntnisse (ohne Ausstieg aus der Matrix) lieben, sich freuen, Hobbys haben oder seine Vorlieben kennen, ja sogar einen Sinn in seinem Leben finden. Aber auf einer völlig anderen Ebene. Illusion ist da ein Stichwort. Ein einfaches Beispiel: Man wacht morgens auf und draußen regnet es. Warum ist bereits an dieser Stelle für viele Menschen der Tag gelaufen? Weil uns unser Programm (in diesem Fall entweder Erziehung (man lernt schon früh, dass Sonne "gut" und Regen "böse" ist) oder Erfahrung (vom Regen wird man krank)) diese Reaktion vorschreibt. Durch die resultierende Laune ist man in seiner Schaffenskraft eingeschränkt, da ein Teil der Energie, die man zur Verfügung hat, in diese negative Emotion gesteckt wird. Erlangt man aber die Weitsicht und positive Lebenseinstellung, dass dieser Aspekt des Lebens (Wetter) absolut unwichtig und irrelevant ist, man sich daher also nicht beeinflussen lassen sollte, kann man den Tag ganz anders angehen. Genauso verhält es sich mit zu spät kommenden Bussen, unangenehmen Mitmenschen und mehr oder weniger schlechten Gewohnheiten, aber auch schlimmen Erscheinungen wie Sucht, Rassismus oder (psychosomatischen) Krankheiten. Außerhalb der Matrix gibt es all das nicht und der Mensch kann seine ganze Aufmerksamkeit und Energie in die Gestaltung seines Lebens stecken, das dann um so erfüllter sein wird.

Auf den Aspekt Religion möchte ich etwas näher eingehen, weil mir dazu etwas eingefallen ist: Im christlichen Glauben ist die Vertreibung aus dem Paradies eine Schlüsselgeschichte: Im 1. Buch Mose heißt es: „Aber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der Herr gemacht hatte, und sprach zu dem Weibe: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten? Da sprach das Weib zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hatte Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet! Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: An dem Tage, da ihr davon esset, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.”

Alleine an dieser Stelle müsste jeder Anhänger des Alten Testaments hellhörig werden, denn sein „Gott” lügt! Adam und Eva sind nicht gestorben... Gott verbot Adam und Eva, vom Baum der Erkenntnis zu essen. Was sollten sie nicht erkennen? Dass sie manipuliert werden. Was Gut und Böse ist. Diese Erkenntnis ist die Basis und der Anfang vom Ausstieg aus der Matrix. Es ist klar, dass ein "Herr der Matrix" das nicht zulassen will, allerdings stellt es den biblischen Gott aus diesem Blickwinkel in ein äußerst schlechtes Licht. Im Gegensatz dazu erscheint die Schlange eher als Menschenfreund... "Ihr werdet sein wie Gott." Das ist ein bedeutender Satz, beinhaltet er doch, dass jeder Mensch eine Schaffenskraft und schöpferische Energie besitzt, die er nur richtig einzusetzen wissen muss.

Vorstellung schafft Wirklichkeit, und die Religionen modifizieren direkt die Vorstellungen der Menschen und beeinflussen ihr Denken. Alle Religionen, die Menschen unterdrücken wollen, die Menschen als Sünder anprangern, versklaven Menschen und leben von ihrer (Angst-)Energie, sind also quasi Teil der Matrix. Religionen waren im Grunde genommen seit jeher nichts anderes als Instrumente, um die Menschen in bestimmte Richtungen zu führen und sie zu veranlassen, sich in einer begrenzten Struktur, also einer Matrix, zu bewegen. Auch eine Religion ist ein Programm, angepasst an die unterschiedlichen Mentalitäten und Traditionen der Menschen. Gerade das Alte Testament hat überwiegend dieses Angstpotential der Menschen für seine Zwecke benutzt, mit Tabus wie Himmel und Hölle, Verdammnissen und Ankündigungen. Und die Menschen glaubten das tatsächlich. Und dieses absolut unterwürfige, demütige und schuldprägende Verhalten wurde solange übertragen, dass man heute noch sehr viele Menschen findet, die sich selbst für völlig unwürdig halten.

Auch im Vaterunser wird mit der Schuld gearbeitet durch die Zeilen: "Herr, vergib uns unsere Schuld..." Überall wird von Schuld gesprochen. Dadurch sind die Menschen nicht in der Lage, ihre eigenen Machtpotentiale zu erkennen und zu leben und können somit auch nicht in ihre eigene Mitte, in ihre Aufmerksamkeit gelangen. Diese künstlich geschürte Angst macht die Menschen zu Sklaven, zu Marionetten ihrer selbst und unterdrückt die Schaffenskraft (Energie), die sie in ihrer Seele tragen. Dieser latent vorhandene Aspekt im Menschen kann eigentlich jederzeit aktiviert werden, damit er ihn in die Energie der Ganzheit unseres wahren Seins führt. Genau diese Rückkehr in die schöpferische Freiheit, also die Sprengung sämtlicher Systeme, wurde stets durch die Fesseln der künstlichen Gefangenschaft in der Matrix verhindert. Vor allem durch die monotheistischen Religionen – einen der schlimmsten Aspekte der Matrix!

Gerade der Atheist Schopenhauer befand, dass der Buddhismus das anspruchsvollste, intellektuellste und inhaltsreichste Glaubens- und Seinsmodell überhaupt darstellt. Buddha, der Gründer dieser Glaubensrichtung, war einfach ein Erleuchteter ohne eine Personifizierung mit dem Sohn des Allschöpfers. Sein Weg zu Gott war direkt, ohne Mithilfe von irgendwelchen Priestern. Buddha stieg aus der Matrix aus – durch einen befreiten Geist – ebenso wie ein junger Mann vor zweitausend Jahren in Palästina. Ihre Botschaft war die gleiche: "Befreie deinen Geist und gehe in die Liebe!”

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